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Pink Diamond Princess - Folge 15


Ariane saß auf der Picknickdecke und fragte sich einmal mehr, wie lange sie noch auf Cassians Ankunft warten musste. Paris vertröstete sie nun bereits seit zwei Wochen und ließ sich allerlei Beschäftigungen für sie einfallen. Ob es nun die Besichtigungen von alten Ruinen, Manufakturen oder Sehenswürdigkeiten auf seinen Ländereien waren oder er sie von einem Café ins andere lockte - Paris ließ nichts aus. Aber je mehr Tage vergingen, desto mehr hatte sie den Eindruck, dass er sie hinhielt. Er ging allen Fragen rund um die Ankunft ihres Bruders aus dem Weg oder zuckte nur lächelnd mit den Schultern. Sie hatte alle Mühe, seinen Avancen zu entgehen.

„Ariane, wo bist du nur mit deinem Kopf?“, fragte er sie und fuchtelte mit den Weintrauben vor ihren Augen herum.

Paris hatte ihnen ein Picknick auf ihrem Reitausflug vorbereiten lassen. Ausgestreckt wie eine zufriedene Katze lag er auf der dunkelblauen Decke vor ihr und sah sie an. Seine Reitjacke hatte er komplett ausgezogen und sein Hemd leicht aufgeknüpft, sodass seine durchtrainierte Brust gut präsentiert wurde. Ariane hatte bemerkt, dass der Prinz keine Gelegenheit ausließ, sie von seinen Vorzügen zu überzeugen. Seine charmant aufdringliche Art amüsierte sie und sie fühlte sich in seiner Anwesenheit frei. Paris legte seinen Kopf in ihren Schoß und beobachtete sie.

„Paris, bitte. Ich bin inzwischen der Mittelpunkt des Geschwätzes deines Landes. Ich glaube kaum, dass sich über anderes mehr der Mund zerrissen wird als über deine zügellose Freundschaft zu mir“, sagte sie und schob seinen Kopf von ihren Oberschenkeln.

Er richtete sich auf und sah sie mit zusammengezogenen Augenbrauen an. „Ist mir egal, was sie denken. Wenn ich ihnen befehle, nicht zu denken, werden sie es nicht wagen“, erwiderte er dunkel.

„Das ist ja lächerlich. Ich bitte dich nur um … ein gewisses Maß an Abstand. Das ist alles. Ich möchte nicht, dass unsere Freundschaft falsch interpretiert wird. Die Menschen haben nun mal eine unbegrenzte Vorstellungskraft.“

„Abstand?“ Er stieß geräuschvoll die Luft aus und sah sich um. „Es ist keiner hier, wer würde sich dann hier das Maul zerreißen?“

Sie seufzte. „Trotzdem. Bitte …“

„Wenn ich dir einen Ring an den Finger stecken würde, wäre dir dann wohler? Meiner Verlobten dürfte ich so nah sein, oder nicht?“, fragte er mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht.

Ariane sah ihn fassungslos an. Paris’ Späße kannten keine Grenzen. „Mit dir kann man einfach nicht ernsthaft sprechen, Paris!“ Schnaubend erhob sie sich von der Decke. Sie streichelte Horizons Flanke und ging zum Bach, um sich etwas abzukühlen.

Paris beobachtete sie und stand dann auch auf. Bei ihr angekommen, nahm er ihre Hand in seine und küsste ihren Handrücken.

„Ich mache keine Scherze, Ariane.“ Er ging vor ihr auf die Knie.

Arianes Inneres geriet in Aufruhr. Was tat der Prinz bloß da? „Paris?“, rief sie und wollte sich aus seinem Griff lösen.

„Für mich war es Liebe auf den ersten Blick und in meinem Leben war ich mir noch nie so sicher. Ariane, ich verehre dich. Ich bete den Boden unter deinen Füßen an und biete dir meine Hand und meinen Schutz. Bitte, werde meine Frau.“

Sie suchte in seinen Augen nach der Wahrheit, nach dem Scherz, den er sonst hinter seinen forschen Worten versteckte, fand ihn aber diesmal nicht. Sprachlos starrte sie ihn an, bis ein lautes Getrampel die Aufmerksamkeit beider forderte. Paris erhob sich und starrte den herannahenden Reiter an.

„Majestät, verzeiht die Störung!“, schnaufte der Mann und stieg schnell vom Pferd.

„Was ist?“, knurrte Paris ihn an und zerrte ihn am Ellenbogen zur Seite.

Ariane war dankbar für die Unterbrechung und versuchte, ihre Gedanken zu sammeln. Nach einigen Minuten kehrte Paris zurück und der Mann ritt wieder zum Anwesen.

„Es tut mir leid, dass wir unterbrochen wurden. Joachim hat mich dringend zu einem Einsatz abberufen. Ich bringe dich zurück und muss dich für ein paar Tage hier allein lassen. Wenn ich zurückkehre, werden wir reden und dann hoffe ich auf eine Antwort von dir, Ariane“, sagte er mit einem leichten Lächeln und küsste sie auf die Wange.

„Paris …“

„Nein, ich will noch nichts hören. Bitte. Ich möchte, dass du es dir durch den Kopf gehen lässt. Ich weiß, es kommt plötzlich. Aber meine Gefühle für dich sind echt, unaufhaltbar und ich bin kein Mann, der ein Nein akzeptiert. Wir sprechen, wenn ich wieder da bin.“ Seine Worte ließen keine Widerrede zu.

„Cassian kommt doch hierher oder ist ihm etwas geschehen?“

„Dein Bruder ist in Solmere und wird vermutlich das Land gerade nicht verlassen können“, erklärte er harsch und schwang sich auf seinen Sattel.

„Was? Wieso?“, fragte Ariane und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Weil mein Bruder gerade unsere Truppen in Solmere einmarschieren lässt. Dieser Hund konnte es einfach nicht lassen!“

„Hat er Ethera den Krieg um Solmere erklärt?“

„Offenbar“, gab er zurück und spornte sein Pferd an.

Ariane holte tief Luft. War sie nun eine Geisel von König Joachim?

 

Cerim war auf dem schnellsten Weg nach Solmere gereist. Soweit die Straßen es erlaubten, hatte er für einen Teil der Strecke die neueste technische Errungenschaft auf Ethera benutzt, ein Automobil, und den Rest mit der Kutsche bewältigt. Er wollte wissen, was vor sich ging. Der plötzliche Einmarsch von Damars in Solmere und Cassians seltsamer Brief mit der Bitte, seinen Bruder dorthin zu bringen. Er hatte Paris’ Brief selbst gelesen, er war versiegelt gewesen und es war Cassians Handschrift, die den Prinzen bat, Adrian nach Damars zu bringen. Sonst hätte er es niemals erlaubt. Cassian hatte ihn gebeten, auf Adrian aufzupassen, und jetzt war er ein Pfand auf Damars Seite. Er hätte seinem Gefühl vertrauen müssen, doch nun war es zu spät. Cerim biss den Kiefer vor Wut zusammen. Wenn Joachim ihm was antut, würde er zum Schlächter werden.

Sir Henri hatte er auf Mission geschickt. Er sollte herausfinden, wo sich Adrian befand und ihm aus der Notlage helfen. Er würde sich selbst um Paris kümmern. Cerim sprang aus der Kutsche, sobald er die aufgebauten Zelte seiner Armee in Reichweite sah. Talon wurde ihm gereicht und er trieb sein Pferd unnachgiebig an und auf das Feldlager zu.

 

„Paris hat Adrian auf seinen Landsitz mitgenommen. Warum?“, fragte Cassian erstaunt.

„Ich sagte doch, Paris hatte einen Brief von dir als Beleg, dass du ihm etwas dort zeigen wolltest. Es ging um seine leibliche Mutter“, knurrte Cerim und kippte sich ein weiteres Glas Brandy ein.

Cassian starrte ihn seltsam mit aufgerissenen Augen an.

„Was ist?“

„Was genau stand im Brief, Cerim?“

„Es ging um die Herkunft seiner Mutter und dass du etwas in Solmere herausgefunden hättest. Warum?“

„Ich habe den Brief nicht geschrieben, Cerim. Woher wusste Paris dann, dass ich Informationen für Adrian aus Solmere habe? Ich habe mit dem Prinzen nie darüber gesprochen.“

„Warum ist die Information so wichtig?“ Cerim stellte sein Glas ab. Sein Herz raste, doch sein Körper war bis in die Zehenspitzen angespannt.

„Weil es wahr ist. Adrians Mutter stammt aus dem Haus Solmere. Zumindest hatte es mein Vater in seinem Testament so festgehalten. Ich war bei meiner Mutter, um sie danach zu befragen, aber ich habe natürlich keine nützliche Information aus ihr herausbekommen. Anhand ihrer Reaktion schien ich wohl einen wunden Punkt getroffen zu haben. Deshalb bin ich nach Solmere gereist und wollte, dass du Adrian mitbringst“, erklärte Cassian und schenkte sich auch ein Glas Brandy ein. Untypisch, da er sonst den bitteren Geschmack mied.

„Was bedeutet das?“

„Ich glaube, dass Paris und Katherine wissen, wer ihre Mutter war. Und dass das mit dem Angriff auf die Duchess Solmere zu tun hat“, sagte Cassian mit abwesendem Blick.

Ihre Mutter?“

Cassian fuhr hoch und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an. Er schüttelte den Kopf und atmete tief durch.

Cerim kochte. Sein Kopf fügte alle offenen Puzzlestücke zusammen und ließ sein Innerstes vor Wut in Brand setzen.

„Es tut mir leid, aber ich hatte es meiner Schwester versprochen. Adrian ist eine Frau. Ariane bat mich, ihr Geheimnis aufrecht zu erhalten. Bis vor Kurzem wusste ich selbst nichts davon. Meine Mutter hatte es ihr einst aufgezwungen und Ariane wollte bis zum Abschluss an der Akademie den Schein für mich bewahren. Ich musste es ihr schwören. Es tut mir leid, dich getäuscht zu haben, Cerim.“

Cerim stöhnte tief auf und strich sich grob durch die Haare. Er wusste es. Er hatte es schon die ganze Zeit geahnt! Die Wahrheit traf ihn schlimmer als jeder Fausthieb in seinem Leben ihn hätte treffen können. Er hatte sich in sie verliebt. Cerim konnte auf eine Zukunft wie in seiner Vision im Arbeitszimmer hoffen. Doch jetzt war sie in der Hand des Prinzen und dessen irren Bruder. Offensichtlich wusste Paris bereits, dass Ariane eine Frau war. So offenkundig er um ihre Aufmerksamkeit buhlte.

 

Paris marschierte ohne Rücksicht auf die Etikette in Joachims private Räume und riss die Tür seines Schlafzimmers auf. Seine Zimmerdamen schreckten auf und versuchten Paris davon abzuhalten, aber beim wütenden Anblick des Prinzen wollten sie nicht in die Schusslinie geraten.

„Ist das dein Ernst?“, fragte Paris aufgebracht, als er Joachim in einem intimen Moment mit einer seiner Gespielinnen fand.

Der König schubste das Mädchen von sich und griff nach seinem Morgenmantel. „Was erlaubst du dir?“ Zornig erhob er sich aus dem Bett und streifte sich den Mantel über. Das Mädchen flüchtete mit ihrem Kleid aus dem Schlafzimmer.

„Du marschierst, ohne es mit mir besprochen zu haben, einfach so in Solmere ein!“

„Ich wusste nicht, dass ich meine Entscheidungen mit dir besprechen muss, Paris!“, grollte der König.

„Du wusstest, dass ich Ariane auf meinem Landsitz bringe! Der Einmarsch ist völlig unnötig und kostet das Leben meiner Männer!“ Er baute sich vor Joachim auf.

Ich bin der König, Paris. Wenn ich dir befehle, aus dem Fenster zu springen, tust du gefälligst, was ich dir sage - ohne zu diskutieren. Der Schachzug, in Solmere einzumarschieren, ist klug. Wir haben die junge Duchess in der Hand. Wenn sie ihre Leute retten möchte, wird sie alles tun, was ich von ihr verlange. Sie wird die Heiratsurkunde unterschreiben und dann kann ich ihr endlich die Kehle durchschneiden. Ganz einfach.“

Du wirst Ariane nicht anrühren, Bruder! König oder nicht - sie gehört mir! Ich werde sie heiraten. Für dich spielt es keine Rolle, wen von uns sie heiratet, um Solmere an Damars zu binden“, herrschte Paris ihn an.

„Ich habe dich gewarnt und dir mitgeteilt, dass du auf der Hut sein sollst! Bist du etwa auch auf diese Augen hereingefallen? Alles, was die Frauen von Solmere können, ist einen ins Unglück stürzen! Ihre Mutter hat mich in den Wahnsinn getrieben und jetzt fällt mir mein eigener Bruder wegen der Tochter in den Rücken! Das lasse ich nicht zu, hörst du?“ Joachim packte Paris am Revers und stierte ihn an.

„Ich werde sie heiraten, Bruder!“, erwiderte Paris und hielt dem Blick seines Bruders stand.

„Nimm Solmere ein. Sobald du die Lage gesichert hast, werden wir verhandeln. Das ist meine Bedingung, sofern du die Kleine behalten willst!“

Paris stieß seinen Bruder von sich und richtete sich den Kragen. „Solltest du Hand an sie legen, schneide ich dir die Kehle durch. Ich hole dir Solmere, aber du rührst Ariane nicht an, verstanden?“

Joachim hob beschwichtigend die Arme hoch und verzog grimmig das Gesicht. „Wir haben eine Abmachung, Bruder. Wenn du versagst, wirst du ihr zuerst selbst die Kehle durchschneiden müssen, sonst reite ich sie vor deinen Augen ein und schneide ihr anschließend die Kehle durch. Und jetzt verschwinde endlich!“

Paris’ Innerstes kochte. Er durfte nicht versagen.

 

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