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Pink Diamond Princess- Folge 16


Ariane legte sich die Hand auf den Bauch. Unruhe überkam sie, je mehr Zeit verging, in der sie weder etwas von Cassian noch von Paris hörte. Alle Bediensteten waren freundlich und aufmerksam, aber keiner sagte ihr, was an den Grenzen von Solmere und Damars geschah.

Sie starrte gedankenverloren aus dem Fenster der Bibliothek auf das große Eingangstor von Paris’ Anwesen. Ariane erschrak, als plötzlich die Wachen in Bewegung kamen und das Tor geöffnet wurde. Ein Tross an bewaffneten Männern und zwei Kutschen fuhren ein. Das Wappen, das breit auf der Tür graviert war, erkannte sie sofort. Ihr Herz raste, doch sie rührte sich nicht von der Stelle. Schmerzhafte Erinnerungen an das letzte Mal, als es ihr begegnet war, kamen auf. Lady Katherine! Ihre Ankunft bedeutete nichts Gutes. Ein Klopfen riss sie aus der Starre und Paris’ Leibarzt, der ihr auf der Reise in die Hauptstadt behilflich gewesen war, trat ein.

„Verzeiht, Mylady. Lady Katherine kommt auf Geheiß seiner Majestät König Joachim, um Euch zu holen. Ich werde Euch begleiten, wenn ich darf.“

„Warum holt mich Lady Katherine persönlich und was will der König von mir?“, fragte Ariane und sah den Mann mit großen Augen an.

„Ich weiß es nicht, Mylady. Aber seid gewiss, ich werde auf Euch Acht geben“, sagte er mit fester Stimme und verbeugte sich vor ihr.

„Vor Eurem König? Oder vor Lady Katherine?“

„Ich schwor meinem Herren, Euch vor allem zu schützen, Mylady.“

Ariane atmete tief durch und drehte sich wieder zur Fensterbank. Sie sah hinab und das Grauen in ihr wollte trotz des Versprechens nicht verschwinden.

 

Der Morgentau überdeckte das breite Weizenfeld vor ihm, das bald in Blut getränkt werden würde. Cerim atmete tief die kühle und feuchte Luft ein und hoffte, heute eine Nachricht von Sir Henri zu erhalten.

„Cerim, ist alles in Ordnung?“, fragte Prinz Nicolas, der neben ihm stand.

„Ich werde das Gefühl nicht los, dass das hier eine Farce ist, Eure Hoheit.“

Der Prinz sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. „In der Tat kommen der Einmarsch und die Heftigkeit des Überfalls überraschend. Aber wir haben damit gerechnet, dass Joachim früher oder später vollkommen den Verstand verliert. Allein die Tatsache, dass Paris nicht seine Truppen anführt, zeigt doch, wie eilig die Entscheidung getroffen worden ist.“

„Die Frage, Eure Hoheit, ist doch: Was hat ihn so angetrieben? Das Timing mit der Entführung von Lord Callus’ Schwester macht mir Sorge“, sagte Cerim.

Der Prinz nickte stumm und in der Ferne erkannte er die Fahne von Damars auf sie zukommen. Wenigstens ist der Bastard pünktlich.

Cerim spornte Tallon an. Er musste herausfinden, was Joachim vorhatte, und er wollte um jeden Preis Ariane zurück.

 

Paris, dieser Bastard, grinste ihn siegessicher an. Das Treffen war einberaumt worden, um zu verhandeln. Cerim konnte an seiner Anspannung ablesen, dass er nicht hier war, um Kompromisse zu schließen. Es wirkte eher, als ob der Prinz bereit war, die Felder von Solmere mit Blut zu überdecken. Ein provisorisches Zelt wurde in kürzester Zeit aufgebaut und die Parteien standen sich an einem großen Tisch mit einer Karte des Grenzgebiets und den weiten Ebenen des Landes sowie der Minen gegenüber.

„Machen wir es kurz, Eure Hoheit. Ich bin hier, um Euch zu informieren, dass die Duchess von Solmere sich bereit erklärt hat, sich an das Haus Damars zu binden. Wir beanspruchen das Herzogtum rechtmäßig für Damars und fordern den Abzug von Etheras Truppen innerhalb der nächsten zwei Tage.“

„Habt Ihr völlig den Verstand verloren? Ihr habt die Duchess?“, bellte Prinz Nicolas fassungslos.

„Welche Beweise habt ihr? Die Duchess ist seit Jahren verschwunden und nun behauptet ihr so plötzlich, dass sie einen von Euch freiwillig heiraten wird. Ich glaube Euch und Eurem Bruder nicht ein Wort!“, knurrte Cerim. Seine starre Miene und sein eisiger Blick verrieten seinem Gegenüber nichts von seinem inneren Aufruhr.

Haus Solmere. Die Duchess und Arianes Verschwinden. Lord Callus Testament. All diese Dinge schwirrten in seinen Gedanken herum.

„Mein König bringt in den nächsten zwei Tagen die Geburtsurkunde sowie eine Zeugin, die vor Eid beglaubigen wird, dass die junge Duchess die rechtmäßige Erbin von Solmere ist.“

„Holt die Duchess her. Ich will sie selbst befragen, ob das ihr Wille ist und was sie zu ihrem bisherigen Abbleiben zu sagen hat. Und wir wollen die Belege prüfen, Prinz Paris. Nur aufgrund der Vorlage der Dokumente und der Aussage der Zeugin überlasse ich Euch doch nicht Solmere!“, entgegnete Prinz Nicolas und schlug energisch auf den Tisch.

„Wir wollen die Beweise, die Duchess und Ariane, Paris. Euer Einmarsch endet hier. Stellt das Blutvergießen ein, bis wir Eure Aussagen geprüft haben, ansonsten werden wir mit aller Härte zurückschlagen. Und ich warne Euch – sollte Ariane auch nur ein Haar gekrümmt worden sein, werde ich Euch eigenhändig den Hals umdrehen, Paris!“

„Duke Moreno, Ariane ist nicht länger Eure Sorge. Ich würde meiner künftigen Braut niemals etwas antun. Schert Euch um Eure eigenen Dinge.“

Cerims Geduldsfaden platzte. Er stürmte auf Paris zu und schnappte sich dessen Kragen. Die beiden Männer starrten sich in die Augen und die herumstehenden Soldaten zogen ihre Waffen und richteten sie auf den jeweiligen Gegner. Die Luft zitterte vor Anspannung und keiner der Anwesenden um sie herum wagte es zu atmen.

Paris grinste diabolisch und griff nach Cerims Fäusten, um sie zu lösen. „Was? Kann der Duke etwa nicht mit Ablehnung umgehen? Sie hat sich für mich entschieden. Ärgert Euch das?“

„Sie wird niemals Eure Frau, Paris. Sie gehört mir!“ Cerim war bereit, den Prinzen vor ihm in Stücke zu reißen, wenn dies verhindern konnte, dass er sich jemals wieder Ariane näherte.

„Lord Cerim! Duke! Reißt Euch zusammen!“, fuhr ihn Prinz Nicolas an und versuchte, ihn von Paris wegzuziehen.

Das Grinsen in Paris’ Gesicht wurde breiter und er hob beschwichtigend die Hände. Cerim wurde von einem seiner Soldaten zurückgezogen.

„Wir sehen uns wieder …“, sagte der Prinz und verzog sich mit seinen Männern aus dem Zelt.

„Was soll das, Cerim? Du weißt, dass er dich nur provozieren wollte. Ariane kann ohne die Einwilligung von Cassian ohnehin nicht eine solche Verbindung eingehen. Solange Cassian das Oberhaupt der Familie ist, benötigt sie für eine rechtsgültige Heirat seine Zustimmung.“

„Was, wenn er sie zwingt und sie schändet? Ihr wisst, was mit der verstorbenen Duchess Solmere passiert ist. Paris ist nicht anders als sein Bruder Joachim.“

„Ich glaube nicht, dass man die zwei vergleichen kann. Paris ist nicht ganz so durchgedreht wie Joachim. Vertrau mir, Cerim. Ariane ist sicher.“

„Wie sicher kann man in Damars sein, Eure Hoheit?“ Cerim hatte genug gehört. Er wandte sich ab und verließ, ohne auf die Antwort zu warten, das Zelt. Er musste Sir Henri erreichen und wissen, was mit Ariane geschah und ob er sie aus der verfluchten Hölle herausholen konnte. Er marschierte geradewegs auf Tallon zu und machte sich auf den schnellsten Weg zum Feldlager.

 

„Noch fünf Hiebe. Wenn du sie still erträgst, werde ich von dir ablassen und dir erzählen, welche unverzeihlichen Fehler du diesmal begangen hast. Sollte ich aber auch nur einen Mucks von dir hören, liebste Ariane, dann werde ich um je zwei Peitschenschläge deine Strafe erweitern. Hast du mich verstanden?“ Grob riss Lady Katherine Arianes Haar zurück und wartete auf ihr Nicken.

Ihr Handlanger hatte Ariane einen Knebel in den Mund gestopft und ihr Kleid mit einem Dolch aufgeschnitten. So kniete sie schon seit Stunden in ihrem eigenen Blut. Völlig kraftlos nickte sie und hoffte, dass einer der nächsten Hiebe endlich ihr Bewusstsein kostete. Daraufhin stieß ihre Peinigerin sie zu Boden. Der Folterknecht hob sie vom rutschigen Holzboden hoch und richtete sie auf, um die letzten Schläge zu vollziehen.

Ariane schloss die Augen und verzog sich in ihre Traumwelt, wenn Lady Katherine sie quälen ließ. Aus ihrem Gedächtnis rief sie sich tröstliche Erinnerungen auf - das Gesicht ihrer Mutter, die warmen Umarmungen, die sanften Küsse auf ihren Schopf. Der Geruch von Lavendel. Cerim. Sie erinnerte sich an seine Lippen, die Sanftheit und Leidenschaft, die sie nur kurz genießen durfte. Und dann verschwamm alles …

„Da bist du ja wieder! Einfach so in Ohnmacht fallen, wie ungehörig!“, keifte Lady Katherine.

Ariane lag auf dem Boden und versuchte sich umzusehen, doch ihr Blick war völlig verwaschen. Wie oft konnte sie dies noch durchstehen? Sie wollte verschwinden, so fern wie möglich vor dieser Irren fliehen. Selbst wenn es sie die Beziehung zu ihren Liebsten kosten würde, sie konnte nicht einen weiteren Schlag mehr ertragen.

„Hörst du zu, Ariane? Du wirst diese Papiere hier unterschreiben. Du trittst als Duchess Solmere deine Rechte an den Minen von Solmere an König Joachim ab und willigst einer Zweckheirat zu. Ich bringe dich zu ihm, dort wirst du ihn sodann ehelichen. Sobald das erledigt ist, kannst du verschwinden. Joachim wird sich von dir scheiden lassen und dann bist du endlich frei. Ist es nicht das, was du immer wolltest? Deine Freiheit? Was ist sie dir wert, Ariane?“

„Duchess Solmere? Ich bin nicht die Duchess … Wie kann ich das unterschreiben?“, stammelte Ariane kraftlos.

„Leider bist du es doch. Die Hure von Callus war keine andere als die Duchess. Er hat sich in Solmere von mir scheiden lassen, dieser Idiot, aber dem habe ich schnell ein Ende gesetzt. Es war ein Leichtes, Joachim davon zu überzeugen, dass nichts anderes Sinn ergab, als die Schlampe für ihre Dreistigkeit zu töten.“

Arianes Blut gefror. All das Leid von Solmere, der lange Krieg, die vielen Toten – alles war nur die Folge von zwei verschmähten Herzen. Wenn sie diese Papiere unterschrieb und ihre Einwilligung gäbe, welche Qualen mussten noch mehr Menschen wegen dieser Irren erleiden?

„Nein“, war alles, was Ariane herausbrachte und fiel wieder in die tröstende Schwärze.

 

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