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Pink Diamond Princess- Folge 2

Aktualisiert: 10. Apr.



 

„Schnell, schnell, Lord Adrian. Raus aus den Kleidern und hinein in die Wanne! Die Kutschen sind in Sichtweite!“, rief ihr Hausmädchen Anette und schrubbte mit der Bürste den schwarzen Staub und Dreck der Mine an Arianes Händen weg. Piper, ein Mädchen in Arianes Alter, bürstete die wilden Locken glatt und flocht einen Teil ihrer dicken Haare versteckt unter ihrem Deckhaar zusammen. Anette ließ von ihr ab und trocknete ihren Körper mit einem Tuch ab, als sie aus der Wanne stieg. Piper zog unerbittlich an ihrem Haar, bis sie es vollständig in einem ordentlichen Pferdeschwanz, so wie viele junge Aristokraten es trugen, zusammengefasst und mit einem Band geschlossen hatte. Anette lief mit dem ledernen Unterhemd an und begann es fest an ihre vollen Brüste zu zuschnüren. Mit jedem harten Zug drückte es Ariane die Luft aus der Lunge und ihre weiblichen Kurven verschwanden in dem beschwerlichen Gefängnis, das Lady Katherine eigens für sie anfertigen ließ. Nur diese zwei Frauen wussten von Arianes Verkleidung und das sollte nach dem Willen von Lady Katherine auch so bleiben.

„Lord Adrian, ein Reiter kam bereits an und hat Ihren Bruder, Prinz Nicolas del Serene sowie den jungen Duke Cerim Moreno del Calvet angekündigt. So wichtige Gäste haben wir auf Manor Amréne selten empfangen. Denkt an ein perfektes Benehmen, mein Lord! Lady Katherine wäre außer sich, wenn Sie die Familie beschämen würden!“

„Warum kommt er mit seinen Gästen hierher, Anette?“, fragte Ariane nervös, während sie versuchte, mit flachen Atemzügen Luft in ihre Lungen trotz des ledernen Gefängnisses zu pumpen.

„Ich glaube, sie kommen wegen eures Wasserrades in der Mine. Master Theodor unterrichtet den jungen Lord über alle Entwicklungen.“

„Werden sie lange bleiben?“

„Es werden bestimmt zehn Tage oder länger werden, mein Lord“, sagte Anette leise und zog ein letztes Mal die enganliegende Corsage zusammen. Als sie ihr ein Unterhemd über den Kopf zog, lächelte sie Ariane aufmunternd zu.

Zehn Tage.

Zehn Tage durfte sie nicht einen einzigen Fehler machen.


 

Das Personal hatte sich vor dem Eingang im Hof des Anwesens versammelt. Ariane wartete angespannt, um ihren Bruder und seine Gäste zu empfangen. Die Renovierungen am Manor waren im Sommer abgeschlossen worden, sodass das Anwesen im Glanz erstrahlte und eingerahmt in der herbstlichen Stimmung der Landschaft malerisch friedvoll aussah.

Die Kutschen fuhren ein und die Bediensteten liefen eilig hin, um den Herrschaften den Ausstieg zu erleichtern.

Cassian stieg elegant aus und übergab seinen Hut einem Diener. Der junge Herr von Manor Amréne wurde von allen mit einer tiefen Verbeugung begrüßt und Ariane sah zu ihrem Bruder auf, als er auf sie zuschritt.

„Adrian!“, rief er freudig aus und nahm Ariane in eine enge Umarmung. Seine Körperwärme hüllte sie vollkommen ein. Er überragte sie um zwei Köpfe und war im Vergleich zu ihrem zierlichen Körper muskulös und kräftig gebaut. Er war das Abbild eines Kommandanten und Offiziers. Alles an ihm strahlte Stärke und maskuline Eleganz aus.

„Adrian, du siehst wohl aus. Aber du bestehst aus Haut und Knochen und blass bist du! Verbringst du deine ganze Zeit in den Minen? Isst du auch anständig? Anette!“, verlangte er besorgt nach Arians Hausmädchen, die sich tief vor Lord Calus verbeugte. „Lässt mein Bruder wieder Mahlzeiten aus oder ist ihm in letzter Zeit nicht wohl gewesen?“

„Nein, mein Lord. Er ist ein schmächtiger Junge, nichtsdestotrotz ist er kerngesund. Dafür verbürge ich mich. Er wird noch wachsen, mein Lord.“

„Es tut mir leid, wenn ich dir Sorgen mache, Bruder. Ich werde versuchen, öfter zu essen.“ Ariane Wangen röteten sich. Cassian küsste sie auf die Stirn und fasste sie an den Schultern.

„Ich nehme dich beim Wort, Adrian. Ich möchte dich meinen Gästen vorstellen.“ Er schritt zur Seite und gab Ariane den Blick auf einen stattlichen jungen Mann frei, der sein Schwert sowie seine Handschuhe dem Butler übergab und ihr zulächelte. An seinem Revers prangte ein großer schwarzer Diamant in ein royales Emblem gerahmt. Nicolas del Serene, der Kronprinz von Richen stand vor ihr und beobachtete sie amüsiert aus warmen, topasfarbenen Augen.

Ariane trat vor und ging vor dem Prinzen auf die Knie. Er hielt ihr seine Hand mit dem Siegelring der königlichen Familie hin, den sie mit einem angehauchten Kuss zur Ehrerbietung berührte.

„Eure Hoheit, mein kleiner Bruder Adrian Calus“, stellte Cassian sie vor.

„Es freut mich sehr, endlich das Genie von Amréne kennenzulernen. Cassian hat uns immer wieder von Euch berichtet, Lord Adrian.“

„Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, Eure Hoheit“, erwiderte Ariane eingeschüchtert.

Ein Reiter galoppierte in den Hof und alle Aufmerksamkeit lag auf den in Schwarz uniformierten Mann. Ariane erkannte ihn sofort. Es war derselbe, der ihr über die Felder bis in den Wald gefolgt war. Sie errötete augenblicklich, bei den Gedanken, dass er sie entdeckt haben könnte. Ihr Herz pochte ihr bis in die Ohrenspitzen vor Angst, dass er sie als Frau wiedererkannte.

„Ah, Moreno! Leistest du uns auch wieder Gesellschaft?“, bemerkte der Prinz mit erhobenen Augenbrauen.

„Verzeiht, Eure Hoheit, ich wollte die wunderschöne Landschaft etwas ausnutzen. Außerdem hasst es Tallon, an eine Kutsche gespannt zu sein“, antwortete dieser. Der verärgerte Ton des Prinzen schien ihm nichts auszumachen.

Er stieg von seinem Pferd und strich ihm sanft durch die Mähne. Der Duke zog seine Handschuhe aus und übergab einem Diener diese sowie die Zügel des Hengstes. Tallon wieherte widerwillig. Er erinnerte sie an Horizon, der sich ungern von den Stallburschen führen ließ. Ariane lächelte und sah zu Boden, bis dunkle Stiefel in ihr Sichtfeld kamen. Sofort blickte sie auf und verbeugte sich vor dem Duke, der sie unentwegt beobachtete. Seine Augen blitzten kalt und berechnend.

„Duke Cerim Moreno del Calvert, mein Bruder Adrian.“

Sie sah kurz auf und erschrak. Sein Ausdruck war streng und hochmütig. Soweit Ariane in Erinnerung hatte, war er im Alter ihres Bruders, aber seine Erscheinung wirkte reifer. Es war, als ob er durch sie hindurchsah und nichts vor seinem scharfen Blick verborgen blieb. Sein Anblick ließ sie sprachlos, denn trotz seiner deutlichen Überlegenheit war sie fasziniert von seinen perfekten Zügen. Die schwarzen Haare und die saphirblauen Augen unterstrichen seine Schönheit und bannten sie augenblicklich. Seine vollen Lippen verzogen sich zu einem wissenden Lächeln und Ariane senkte instinktiv den Blick. Erschrocken, dass er ihre Lügen in den Augen ablesen könnte.

„Es freut mich, endlich deine Bekanntschaft zu machen, Adrian“, erklärte er mit tiefer, melodischer Stimme.

„Mein Lord, herzlich willkommen auf Amréne“, erwiderte sie mit erstickter Stimme.

Cassian drückte ihre Schulter und sie sah zu ihm auf. Er lächelte sie an und ließ schließlich seine Gäste ins Anwesen eintreten.

Ariane schluckte. Zehn Tage unter diesen eindringlichen Blicken. Es würden zehn schrecklich anstrengende Tage werden.


 

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