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Pink Diamond Princess -Folge 3

Aktualisiert: 18. Apr.




 

Der bittere Geschmack des Brandys ließ die Gedanken Cassians für kurze Zeit schweigen. Adrian wiederzusehen war tröstlich und schmerzhaft zugleich. Er hatte gehofft, dass sein Halbbruder zum Mann geworden war und das Zerbrechliche, das er in ihm als kleiner Junge gesehen hatte, verblichen wäre. Doch dem war nicht so.

Erstaunt über die Schönheit seiner Züge, der porzellanartigen Haut und der filigranen Statur seines Bruders waren es nach wie vor die furchtsamen Augen, die ihn Sorge bereiteten. Seine Mutter Katherine hatte den Bastard seines Vaters aufgenommen und nach Amréne geschickt, in der Hoffnung, dass der schmächtige Junge an der harten Witterung in den Bergen vollkommen zerbrechen würde. Lady Katherine hasste den kleinen Jungen, der ein Zeugnis für ihre Ablehnung war. Der Treuebruch seines Vaters gegenüber ihr nagte zu sehr an ihrem Hochmut.

Wider Erwarten hatte sich Adrian angepasst und war nun dafür verantwortlich, dass die Minen von Amréne wieder rentabel wurden. Mit seinen Konstruktionen und Ideen hatte er in einem Jahr mehr aus den Minen gefördert als sein Vater in den vergangenen zwanzig zusammen. Cassian setzte sein Glas ab und sah auf.

Cerim beobachtete ihn und nahm auch einen Schluck aus seinem Glas.

„Nicht ganz, was du dir erwartet hattest?“, fragte dieser und stellte sein Glas ebenfalls auf dem Tisch ab und schlenderte durch die Regalreihen der Bibliothek. „Ich vermute, die Karriere als Offizier wirst du ihm wohl kaum anraten?“

Cassian seufzte schwer und nahm einen weiteren Schluck.

„Nein, wohl kaum, Moreno.“

„Kaum zu glauben, dass er ein Mann sein soll. Er wirkt wie eine Porzellanpuppe, die man in Männerkleidung gesteckt hat.“

„Du sprichst von meinem Bruder, Cerim“, mahnte Cassian seinen Freund mit tiefer Stimme.

„Das war eine reine Feststellung und keine Beleidigung, Cassian. Er ist - wunderschön. Ein anderes Wort fällt mir leider dazu nicht ein. Aber völlig ungeeignet für den Militärdienst. Willst du ihn trotzdem nach Ethera mitnehmen?“, fragte er und griff sich ein Buch, das er ohne weiteren Blick wieder einreihte.

„Ja, das werde ich. Er sollte die Gelegenheit bekommen, sich von Vater zu verabschieden. Er ist bereits so lange hier. Außerdem würde ich gern wissen, wie er sich seine Zukunft vorstellt. So viel schulde ich ihm.“

„Du schuldest ihm nichts, Cassian. Er ist ein Bastard, ein Zeugnis von Verrat. Hast du das vergessen?“ Cerim strich über die vielen alten Buchrücken der nächsten Regalreihe, die davon zeugten, dass die Sammlung lange und behutsam bewahrt wurde. Vor allem waren es Bücher über griechische Götter, Naturwissenschaften und Konstruktionen, die die Regale füllten.

Kein Wunder, dass sich Adrian so ausgeprägt für Technik interessierte. Es gab hier fast nichts anderes zum Lesen.

„Er ist meines Vaters Sohn und mein Blut. Adrian hat bewiesen, dass er mehr als würdig ist, den Namen Calus zu tragen. Sieh, was er aus Amréne gemacht hat. Hast du je fließendes Wasser in einem Badezimmer gesehen, Cerim?“

„Adrian ist ein intelligenter, junger Mann. Ohne Frage …“ Der Duke seufzte und bog in die nächste Regalreihe ein.

„Suchst du nach etwas Bestimmten?“, hörte Cerim Cassian fragen, als er nicht zum Sessel zurückkehrte.

Ein leises Knarren ließ ihn aufsehen, als er gerade ein weiteres Buch herauszog und seinen Einband studierte. Ein Buch aus seiner Kindheit, das ihm sein Vater wieder und wieder vorgelesen hat. Die Geschichte des Königreichs von Richen und seinen Herzogtümern. Der Grand Duke Calvet wurde niemals müde, ihm die Ungerechtigkeiten seit dem Fall der Großherzogsfamilie Somere zu erzählen. Die Familie der Calvet hütete das Herzogtum für die Prinzessin, die beim Anschlag auf den Duke und seine Töchter verschleppt worden ist. Cerim glaubte fast nicht mehr daran, sie jemals wieder finden zu können.

Auf der Galerie blitzte hinter einem Regal ein weißer Ärmel auf, der seine Aufmerksamkeit erregte.

Hmm … versteckt sich Adrian dort?

Cerim verzog grinsend das Gesicht und wunderte sich über das kindische Verhalten von Cassians kleinen Bruder.

Spielt er etwa noch immer Verstecken?

„Ich werde seine Hoheit morgen fragen, ob sich Ari an der wissenschaftlichen Akademie einschreiben darf. Ich weiß, dass das ungewöhnlich für einen zweitgeborenen Sohn ist, aber ich hoffe, dass ihn das, was Adrian hier mit der Mine geschafft hat, überzeugen kann“, sagte Cassian beiläufig, und das Herabsetzen eines Glases war zu vernehmen. „Sein Talent zu vergeuden, wäre sträflich. Oder nicht? Cerim, hörst du mir überhaupt zu?“

Der Duke legte das Buch zurück und sah noch einmal zur Galerie hinauf. Der Saum des Ärmels hinter der Regalwand war verschwunden.

 

Kommen wir zur ersten Interaktion!

Soll Cerim Cassian verraten, dass sein Bruder gelauscht hat?

Schreibt es mir gern in die Kommentare!


Die nächste Folge erscheint am 17.04.2022


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