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Pink Diamond Princess -Folge 4



 

Die Unterhaltung zwischen Cassian und dem Duke ging Ariane nicht aus dem Kopf. Wollte ihr Bruder sie in die Militärakademie schicken? Sollte er dies tatsächlich vorhaben, wäre ihre Verkleidung in kürzester Zeit aufgeflogen. Die unmittelbare Gefahr, in die sie rutschen würde, wäre enorm. Lady Katherine war in ihrer Drohung damals sehr deutlich gewesen und sie erinnerte sie in regelmäßigen Abständen daran, wozu sie wieder fähig werden könnte. Ariane war kein Mann, egal wie sehr sie sich bemühte, ihre Verkleidung aufrechtzuerhalten. Der Spott und die Schande, welche dann ihren Bruder hart träfe, wäre immens, wenn dies jemals publik würde. Ihm würde sie niemals schaden wollen, denn er erwies ihr als Einziger jemals Güte und so etwas wie Zuneigung. Dass sie diese Schmach ihm gegenüber mit allen Mitteln verhindern musste, war Ariane mehr als bewusst. Lord Cerims witzelnde Kommentare über ihr Aussehen saßen ihr tief im Magen. In Arianes Augen war sie kurz davor, ihr Ansehen vor den hohen Herren zu verlieren.

Nachdem sie sich die ganze Nacht im Bett gewälzt hatte und vor Sorge keine Ruhe finden konnte, stand Ariane kurz vor Sonnenaufgang auf. Vielleicht war das eine der letzten wenigen Gelegenheiten, ungesehen ohne Sattel auf Horizon reiten zu können und so hoffte sie, beim ersten Sonnenstrahl des Tages auf ihrem Pferd endlich einen klaren Gedanken fassen zu können.


 

Ariane blickte völlig perplex auf das rege Treiben an den Stallungen. So früh hatte sie hier niemanden erwartet, erst recht nicht so viele Menschen auf einmal. Alle sattelten geschäftig die Pferde und die Jagdhunde wurden aus den Zwingern gelassen.

„Guten Morgen, Lord Adrian! Möchten Sie auch an der Jagd teilnehmen?“, fragte der alte Stallmeister verblüfft, während er einem der Pferde den Sattelgurt unter dem Bauch durchzog und das Sattelblatt hochschlug.

Eine Jagd? Das heißt doch, dass mein Bruder und seine Freunde auch hier sind, oder nicht?

Sie schüttelte den Kopf, als sie dunkelblaue Augen erblickte, die sie mit hochgezogenen Augenbrauen musterten. Lord Cerim stand in roter Jagdjacke und weißer Hose, Reitstiefeln und voll für die Jagd bewaffnet bei Sebastian, dem Stallburschen, der ihm seinen prächtigen schwarzen Hengst vorbereitete. Überraschenderweise überragte der Duke Sebastian um einiges, bemerkte Ariane. Der Stallbursche assistierte ihr seit der Kindheit auch in den Minen und für sie war er zu einem wahren Freund geworden, der mit seiner kräftigen Statur und Größe eine wahre Hilfe bei ihren vielen Konstruktionen war. Was sie mit ihren schmächtigen Armen und Händen nicht schaffte, erledigte Sebastian mit seiner Kraft und ihrer Anleitung. Ohne es je ausgesprochen zu haben, wusste er von Arianes Verkleidung und akzeptierte diese, ohne es zu hinterfragen. Das Einzige, was er je zu ihr sagte, war, dass er bei sechs Schwestern wusste, was zu tun war, wenn es notwendig wurde, und Ariane war mehr als dankbar für diese stille Vereinbarung.

„Guten Morgen, Lord Adrian! Soll ich für Euch Horizon holen? Wollt Ihr etwa mit jagen gehen?“, fragte Sebastian verwundert.

„Guten Morgen, Lord Cerim!“, grüßte Ariane mit einer Verbeugung und der Duke nickte höflich ab.

„Adrian, im Leben hätte ich dich nie bei einer Jagd vermutet! Wo sind deine Gewehre?“, erwiderte er und legte zum Spott seinen Kopf schief. Seine dunklen, tiefblauen Augen jagten ihr einen Schauer über den Rücken. Mit seinem Blick durchleuchtete er sie.

„Ich jage nicht und kann nicht schießen, mein Lord. Da ich hier nur mit Master Theodor aufgewachsen bin, habe ich leider nie an einer Jagd teilnehmen können.“

Lord Cerim lachte kurz auf und grinste über das ganze Gesicht.

„Letzte Nacht erfolgreich Verstecken gespielt, Adrian?“

Alle Farbe wich aus Arianes Gesicht. Ihr wurde klar, dass der Duke sie hinter dem Regal hatte stehen sehen.

„Ich wollte nicht lauschen, mein Lord. Ich war bereits in der Galerie, als ihr beide hereingekommen seid und wollte nicht stören“, erklärte Ariane nun mit tiefroten Wangen und verbeugte sich entschuldigend.

Der Duke nickte und sah auf, als Sebastian Horizon herbeiführte.

„Ist das etwa dein Hengst?“

Mit aufgerissenen Augen beobachtete Cerim, wie das Pferd sich auf Ariane zu freuen schien und dem jungen Mann freudig entgegen blubberte. So wie er die Frage gestellt hatte, musste er ihr Pferd erkannt haben. Sie erinnerte sich an die Verfolgung bis zur Waldgrenze mit dem Reiter in Schwarz, der sich als Duke Cerim herausgestellt hatte.

„Ja, mein Bruder hat ihn mir geschenkt. Er ist mein ganzer Stolz!“ Lächelnd nahm sie Sebastian die Zügel ab.

Horizon biss Sebastian vor Empörung in die vollen Haare. Er mochte es nicht, von anderen außer seinem Besitzer angefasst zu werden. Der Stallbursche fuhr sich verlegen durch die Haare und wirbelte Horizon die Mähne durcheinander, der das mit einem erzürnten Wiehern und Schütteln kommentierte.

„Er ist aus meines Vaters Stallungen. Eines der besten Pferde, die wir je hatten. Ich wusste nicht, dass Cassian ihn für dich gekauft hat“, erklärte Cerim und beobachtete Ariane genau.

„So eine Verschwendung, nicht wahr, mein Lord? Ein so prächtiges Pferd für einen Bastard. Nichtsdestotrotz liebe und pflege ich ihn, so gut ich es kann“, gab sie mit fester Stimme und traurigem Lächeln zurück.

„Ob Bastard oder nicht, du scheinst seinen Respekt für dich gewonnen zu haben. Das war bestimmt ein hartes Stück Arbeit.“

Der Duke kraulte Horizont die Flanke. Seine sanfte, tiefe Stimme ließ nichts von Cerims Argwohn heraushören.

Horizon lässt sich ohne Protest von ihm berühren.

Wie ungewöhnlich?

„Lord Adrian, soll ich Euch beim Aufsteigen helfen?“, fragte Sebastian, der die seltsame Stimmung zwischen den beiden wahrnahm.

„Bring deinem Herrn den Sattel“, verlangte Cerim verärgert über die Unterbrechung des Bediensteten.

„Horizon wird in der Regel nicht gesattelt“, antwortete Ariane für Sebastian. Lord Cerim verwirrte sie. Seine stolze und arrogante Art war ungewohnt und sie fühlte sich unwohl unter seinen prüfenden Blicken, aus Angst sich unwissentlich mit einer falschen Bewegung zu verraten.

Ohne ein weiteres Wort ging Ariane einen Schritt zurück, grub ihre Hand in Horizons Mähne und sprang mit ihrem gesamten Gewicht auf den Rücken des Hengstes, der völlig unbeeindruckt stillhielt. Mit einem eleganten Schwung saß sie fest auf dem Pferderücken und hielt die Zügel.

Mit gerunzelter Stirn beobachtete Cerim den jungen Lord und lachte auf. Kopfschüttelnd zog er seine ledernen Handschuhe an und ging zu seinem schwarzen Hengst. Auch er schwang sich gekonnt in den Sattel und hielt die Zügel fest in seinen Händen.

„Ich wünsche Euch eine erfolgreiche Jagd, mein Lord“, sagte Ariane mit leichter Verbeugung und trieb Horizon in Richtung Wald an.


 

Das Stöhnen des rothaarigen Kammermädchens nervte ihn bereits gewaltig. Paris ertrug es gerade noch so lange, bis er zu seiner Befriedigung kam. Er grub seine Hand noch fester in den Schopf der Frau, die vor ihm über den Schreibtisch lehnte und seinen harten Stößen kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Paris durfte sich nicht ablenken lassen, denn er war kurz davor, endlich gesättigt zu werden, dieses anstrengende Quieken verdarb ihm fast die Stimmung. Mit Leichtigkeit lagen ihm die Frauen in Damars zu Füßen, aus Zeitnot heraus musste es diesmal ein Kammermädchen sein. Seine große und durch zahlreiches Training gestählte Statur, die er sich im Schwertkampf als Feldherr von Damars verdient hatte, bescherte ihm die Blicke aller Ladys bei Hofe. Mit seinem außergewöhnlich guten Aussehen und seiner einschüchternden Art wickelte er sie leicht um den Finger, wenn er es darauf ankommen ließ. Der Titel des Prinzen tat sein Letztes hinzu, unwiderstehlich für die meisten Frauen zu sein. Sie alle waren allerdings nicht lang von Interesse für ihn. Er glaubte an die Macht seines Schwertes und an nichts anderes.

Ein Tumult an der Tür zu seinem Zimmer war zu hören und ohne zu klopfen, trat sein Bruder ein, der missmutig das Gesicht verzog.

„Raus hier!“, zischte dieser und setzte sich auf das mit Samt bezogene Sofa gegenüber dem Schreibtisch.

„Verzeihung, Ihre Majestät“, fiepte das aufgeschreckte Mädchen.

Paris stöhnte frustriert auf und ließ genervt von ihr ab. Diese klaubte panisch und voller Scham ihre Kleider vor dem König auf und verließ gebeugt und unter Tränen das Arbeitszimmer von Prinz Paris.

„Ist das dein Ernst? Du lässt mich für eine Hure warten?“, fragte Pascal mit polternder Stimme.

„Ich wusste nicht, dass Ihr mich erwartet habt, mein König“, konterte Paris und schenkte zwei Gläser mit Brandy ein.

„Hättest du den Anstand, dich zu bedecken!“, verlangte Pascal und nahm das dargebotene Glas aus Paris Hand.

„Was hat dir die Laune verdorben, liebster Bruder?“ Paris trank einen Schluck des bitteren Alkohols und strich sich durch das silberne Haar. Er schob seine Hose wieder über die Hüfte und nahm auf dem Sessel neben dem Sofa Platz.

„Warum bist du nicht zum Essen erschienen? Ich wollte dir mitteilen, dass Lord Calus endlich verreckt ist. Es wird Zeit, Paris!“ Er verzog das vor Wut rotgefärbte Gesicht.

„Die Armee steht bereit, mein König. Ich bin jederzeit gerüstet, den Boden mit Blut von den verdammten Rychen zu tränken“, erwiderte Paris. Die Mordlust war in seinen graugrünen Augen klar zu erkennen.

„Vorher musst du noch etwas anderes erledigen, Paris. Lady Katherine hat uns endlich verraten, was sie mit der Prinzessin angestellt hat. Sie lebt! Dieses Luder hat sie die ganze Zeit in Amrene als Bastard ihres ehemaligen Gemahls ausgegeben und vor den Augen der Welt versteckt. Selbst ihr törichter Sohn Cassian weiß nicht, dass er eigentlich eine Schwester hat. Bring sie mir, Paris! Ich möchte die Tochter von Celene ein letztes Mal sehen, bevor ich dem Geschlecht von Somere endgültig das Ende bereite.“

„Deine Obsession für Celene hat wohl kaum über die Zeit nachgelassen. Sag mir Bruder, was wirst du tun, wenn die Kleine ihre Augen besitzt? Willst du sie ihr ausstechen und sie in einen Schmuckkasten stellen? Was willst du alter Mann mit dem Mädchen?“

„Ich wette, sie ist so schön wie einst ihre Mutter, als sie damals mir hätte gehören sollen. Ich werde sie mir nehmen, und wenn ich ihr danach die Kehle aufgeschlitzt habe, besitze ich endlich die Minen mit den rosafarbenen Diamanten und damit ganz Somere. Du wirst Rychens Armee für mich in Somere besiegen und dann, dann teilen wir uns den Reichtum, den sie uns einbringen werden.“

Stumm nickte Paris ihm zu. Gedankenverloren.

Besessenheit und Gier waren eindeutig keine gute Mischung.


 

Frohe Ostern! Die nächste Folge gibt es am 24.04.2022


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