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Pink Diamond Princess- Folge 6


Ariane erwachte verwirrt in ihrem Bett und musterte mit trübem Blick ihre Umgebung. Es war dunkel und nur das Licht der abgebrannten Glut aus dem Kamin sowie einer flackernden Kerze beleuchteten ihr Zimmer. Sie sah an sich herunter und schob die Decke von sich, und zuckte vor Schmerz zusammen. Ihre Hand war fest verbunden. Jemand hatte sie umgezogen, denn das lederne Korsett fehlte und sie trug ein Schlafhemd. Panik keimte in ihr auf. Sie mühte sich ab, sich hinzusetzen und konnte dabei ein qualvolles Stöhnen kaum unterdrücken. Mit der verletzten Hand fasste sie sich an die vor Schmerz pochende Seite und erfühlte unter ihrem Hemd ebenfalls einen Verband. Wer hatte sie ausgezogen und behandelt? War ihr Geheimnis aufgeflogen?

„Mach langsam, Ari!“, hörte sie Cassian mit vom Schlaf belegter Stimme sagen.

Sie schreckte auf und sah sich um. Er lag ausgestreckt auf ihrem Sofa gegenüber dem Bett. Wie eine Katze streckte er sich und setzte sich auf. Cassian saß mit den Armen auf den Oberschenkeln abgelegt da und beobachtete sie. Ariane konnte seinen Gesichtsausdruck nicht deuten, nicht nur weil es so dunkel in ihrem Zimmer war.

„Wie bin ich hierhergekommen? Ist … ist der Mann gerettet worden?“, fragte sie mit kratziger Stimme. Ihr Herz pochte wild und Hitze breitete sich in ihren ganzen Körper aus.

„Ich habe dich hierhergebracht. Dem Arbeiter geht es dank dir verhältnismäßig gut. Er hat einen gebrochenen Oberschenkel und wird eine Zeit lang nicht arbeiten können, aber er ist mit seinem Leben davongekommen. Mir … Ich wusste nicht, dass das, was du tust, so gefährlich ist! Ich lasse nicht zu, dass du wieder in den Minen arbeitest. Das ist kein Ort für dich!“, sagte er bestimmend und kam zu ihr ans Bett. Cassian kniete vor ihr nieder und nahm ihre Hand in seine. Er betrachtete ihre schmalen Finger und verglich sie mit seiner. Er küsste den Verband, der ihre Wunde verdeckte, und sah auf. In seinen Augen schimmerten Tränen.

Was hat das zu bedeuten?

„Warum, Ari?“

„Was warum, Cassian?“ Sie betete inständig, dass er nicht davon sprach.

„Ich weiß es, Ari. Warum?“, verlangte er diesmal deutlicher und presste seinen Kiefer zusammen.

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst, Bruder.“

„Warum gibst du dich als Mann aus?“

Sprachlos sah sie weg und kämpfte um ihre Fassung. Die Scham schien ihr Inneres zu verbrennen. Was konnte sie ihm sagen, ohne ihn selbst in Gefahr oder in Schwierigkeiten zu bringen? Sie ließ ihren Kopf hängen und Tränen tropften auf ihre Bettdecke.

„Ari“, seufzte Cassia und setzte sich aufs Bett. Vorsichtig nahm er sie in den Arm und mit dieser Geste brachen in ihr alle Dämme.

Sie schluchzte auf und klammerte sich an ihn. „Cassian, ich wollte nie. Ich …“, brachte sie stammelnd heraus und ließ sich von ihm trösten.

„Ist schon gut. Wir reden in aller Ruhe darüber. Morgen, wenn wir beide etwas geschlafen haben. In Ordnung?“

Sie nickte stumm und wischte sich mit dem Verband die Tränen aus dem Gesicht. Cassian legte sie wieder aufs Bett und küsste ihre Stirn. Er erhob sich und zog ihre Decke zurecht, sodass nur ihr Kopf herausschaute. Überwältigt und gerührt von seiner Aufmerksamkeit sah sie ihn mit roten Wangen an. Er lief zum Sofa zurück und legte sich wieder hin. Unfähig einen klaren Gedanken zu fassen, starrte Ariane lange in die Dunkelheit.



 

Cerim duschte in seinem Badezimmer und rieb sich mit der nach Lavendel duftenden Seife ein. Der Geruch erinnerte ihn an Adrian und wie tapfer und ohne zu zögern er dem Minenarbeiter zu Hilfe kam. Wenn er auch klein und schmal war, besaß er ein Löwenherz. Der Gesichtsausdruck hatte sich in Cerims Gedächtnis eingebrannt. Mutig, entschlossen und völlig selbstlos hatte er gehandelt. Als er in Gefahr geriet, hatte Cerim nicht mehr nachgedacht. Erst als er Adrians schmale Taille umschlungen hielt und der blumige Duft in seine Nase aufstieg, beruhigte sich sein Herzschlag. Sicher führte er den Verletzten auf den Boden, der keine Sekunde später in seinen Armen zusammenbrach. Adrian hatte viel Blut durch seine Wunde an der Hand verloren. Was Cerim aber sorgte, war die federleichte Statur des Jungen. Er schmiegte sich perfekt an seine Brust und die Wärme, die er absonderte, schlich sich ins Innerste des Dukes. Was hatte das zu bedeuten? Er hatte keinerlei Interesse an Männern. Aber als er sich wusch, wirbelte die Erinnerung der samtweichen Haut und Adrians Duft in seinem Kopf. Das feine Gesicht und die violett schimmernden Augen lösten in ihm Verlangen bis hinauf in seine roten Ohrenspitzen aus.

Verflucht! Reiß dich zusammen!


 

Die Sonne brach sich durch den Spalt zwischen den Vorhängen und Ariane erwachte steif. Es klopfte und Piper lugte an der Tür zum Bett.

„Guten Morgen, mein Lord. Wie fühlt Ihr Euch?“

„Guten Morgen. Wie durch den Reißwolf gezogen. Wie lange habe ich geschlafen?“

„Es ist bald Mittag. Ihr habt mir einen Riesenschreck eingejagt! Was habt Ihr Euch bloß dabei gedacht?“, schimpfte Piper und trat ins Zimmer. Sie schlug die Bettdecke zurück und mustere Ariane mit zusammengekniffenen Augen. „Lord Cassian bat mich, Euch auszurichten, dass er sich freuen würde, wenn Ihr den Herren heute Gesellschaft leistet. Vorausgesetzt Ihr fühlt Euch kräftig genug. Ich helfe Euch unter die Dusche und wechsle den Verband an Eurer Hand.“

Ariane erhob sich und stöhnte wegen der Schmerzen in der Seite auf. Die Rippen waren Gott sei Dank nicht gebrochen. Was ihr mehr zusetzte, war das angekündigte Gespräch mit Cassian. Wie sollte sie ihm das alles erklären?

Ein lautes Metallklirren draußen im Hof war zu hören. Ariane ging langsam zum Fenster und spähte durch die Vorhänge hindurch. Im Garten trainierten der Prinz und Lord Cerim mit ihren Schwertern, wobei keiner dem anderen nachstand. Sie beobachtete die beiden in ihrem freundschaftlichen, aber intensiven Kampf und musterte Cerims Bewegungen, die sie in seiner Geschmeidigkeit und Präzession überwältigten. Der Duke hielt kurz inne und öffnete sein Hemd, das an seiner Brust vor Schweiß klebte. Seine Statur raubte ihr den Atem und sie zog überrascht den durchsichtigen Vorhang zu, als sein Blick in Richtung Arianes Fenster wanderte.

Hat er mich gesehen?


 

Cassian trank sonst kaum Alkohol, erst recht nicht vor dem Mittagessen. Der Anwalt aus Amréne hatte ihm vor Stunden das aktuelle Testament seines im Sterben liegenden Vaters übergeben. Der eigentliche Grund für seine Reise war die Eröffnung des letztgeltenden Testamtes, um des Sterbenden letzten Willen zu befolgen. Was Cassian aus dem Testament erfuhr, zog ihm den Boden unter den Füßen weg.


„Einen zehntel Anteil meines Vermögens soll Ariane, meine Tochter aus zweiter Ehe als Mitgift erhalten, sobald diese ihr 18. Lebensjahr erreicht hat. Cassian, mein Sohn aus erster Ehe, verwaltet das Vermögen in Namen seiner Schwester und hilft Haus Solmere bei einer passenden Vermählung mitzuwirken.“

Sein Vater war ein zweites Mal verheiratet gewesen! Seine Schwester war kein Bastard, sondern die Tochter einer Frau aus dem untergegangen Haus Solmere? Wer war ihre Mutter?


 

Was glaubt ihr? Warum wusste Cassian nichts von der zweiten Ehe seines Vaters?

Schreibt es gern in die Kommentare!


Die nächste Folge erscheint am 15.05.2022.

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