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Pink Diamond Princess- Folge 7


„Wieder auf der Suche nach dem passenden Buch?“

Vor Schreck rutschte es aus Arianes Händen und der dicke Buchrücken landete direkt auf ihrem Fuß und ließ sie aufschreien.

„Aahhh!“

Cerim stand direkt hinter ihr, doch sie hatte sein Eintreten überhaupt nicht bemerkt. Als sie sich bückte, zuckte sie vor Schmerz in ihren Rippen zusammen und taumelte. Der Duke umfasste ihren Arm und zog sie zu sich, um sie zu stützen.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte er mit dunkler Stimme und sein Atem kitzelte sie am Ohr.

„Ja, ähm … ich war nur unvorsichtig. Bitte verzeiht.“

„Wofür?“ Er flüsterte so leise, dass es sie schaudern ließ.

Ariane trat einen Schritt von ihm weg und versuchte, sich aus seiner Berührung zu lösen. Die Wärme seines muskulösen Körpers an ihrem Rücken irritierte sie. Sie übertrug sich auf ihren Bauch und entfachte ein seltsames Kribbeln. Lord Cerim löste seinen Griff, trat um sie herum und hob das Buch für sie auf.

Mit verdutztem Blick betrachtete er den Titel des Bandes. „Paris und Helena? Eine tragische Liebesgeschichte?“ Er schlug sich auf den Mund, um sein Lachen in Zaun zu halten. Selbst seine Schultern bebten heftig.

Ariane ergriff mit hochrotem Gesicht das Buch und wandte sich ab. Gerade vor dem Duke musste ihre Lektüre lächerlich wirken, da insbesondere Damen Liebesgeschichten lasen.

„Ich finde die Liebe zwischen Hektor von Troja und seiner Frau Andromache erstrebenswerter. Du nicht auch?“

„Warum?“, fragte Ariane überrascht, wagte es aber nicht, sich zum Duke umzudrehen.

„Weil er ein liebevoller Ehemann und Vater, ein mutiger Sohn und vor allem ein wahrhafter Bruder war.“

„Und Paris war das nicht?“ Ariane kniff die Augen zusammen.

„In meinen Augen war er nur ein egoistischer Feigling.“ Verärgert verzog Cerim die Augenbrauen.

„Der dennoch die Frau, die er liebte, vor dem griechischen König gerettet hat.“

„Um sich dann vor dem Kampf um sie zu drücken“, murrte Cerim.

„Er war kein Krieger. Sein Bruder allerdings schon. Und wenn ich mich nicht irre, führte er sein Volk und seine Schwägerin mit Kind in Sicherheit.“

„Ins Exil. Wie ein Feigling!“, spottete der Duke und schüttelte den Kopf.

„Ich kann mir denken, dass für den Lord Kommandanten seiner Majestät es unvorstellbar ist, nicht in den Kampf zu ziehen. Aber manchmal, wenn die Übermacht so groß ist, ist das Leben doch wertvoller als Stolz, oder nicht?“, hakte Ariane mit leiser Stimme nach und drehte sich zu ihm, der sie mit zusammengezogenen Brauen musterte.

„Ich lebe lieber ein Leben mit Inbrunst, als versteckt hinter einer Fassade“, sagte Cerim und seine dunkelblauen Augen strahlten vor Überzeugung.

Arianes Magen zog sich bei den Worten zusammen. Als hätte seine Erklärung wie ein Messer ihren Bauch durchstochen. Führe ich das Leben eines Feiglings? Ist meine Fassade lediglich ein Ausdruck von Angst?

„Vielleicht wusste Paris, was Angst bedeutete und Hektor hatte dies niemals erlebt?“

„Wohl kaum. Vielleicht aber wusste Hektor, wie man die Angst besiegt und verließ sich auf die Liebe. Paris dagegen liebte nur sich“, sagte Cerim. Er beobachtete sie genau und die Röte schoss ihr in die Wangen. Ariane war völlig in den tiefen See seiner Iris versunken, sodass sie zusammenschrak, als er einen Schritt auf sie zukam. Sie wich eingeschüchtert zurück, blinzelte verlegen und sah zu Boden. Cerims Grinsen erstarb, als er ihre Hand zu sich zog und den Verband musterte, der blutige Flecken aufwies. „Lass mich dich neu verbinden. Es sieht so aus, als ob die Naht aufgegangen ist.“

Arianes Herz schlug ihr bis zum Hals und ihre Kehle war staubtrocken.

„Brennt es?“

Sie schüttelte stumm den Kopf. Er strich mit seinen Fingerspitzen sanft an ihrem Handballen entlang. Ariane hatte Mühe, ihre Haltung zu wahren, da seine Berührung ihr Schauder über den Rücken jagte und dort, wo sie sich berührten, ein Kribbeln hinterließ. Als er seine Hand wegzog und sich räusperte, sah sie endlich in sein Gesicht.


 

Cerim starrte vollkommen fasziniert auf die vollen, rosafarbenen Lippen. Leicht geöffnet glänzten sie im dämmrigen Licht der Bibliothek, als ob sie mit Honig beschmiert wären. Er atmete tief den blumigen Duft von Adrian ein und wieder wunderte sich der junge Duke, warum ihn die Schönheit von Cassians kleinem Bruder so fesselte. Selbst die langen, dunklen und leicht geschwungenen Wimpern verlockten ihn dazu, sie mit seinen Fingern zu berühren. Er trat einen weiteren Schritt auf Adrian zu und die Wärme, die sein Körper ausstrahlte, bannte ihn. Als ob sein Kopf ihm Streiche spielen wollte, überwältigte ihn seine Nähe und ließ Cerim nicht einen klaren Gedanken verfassen.

„Dein Zimmer?“

„Was?“, fragte Adrian verwirrt.

„Sollen wir den Verband in deinem Zimmer wechseln oder rufst du dein Dienstmädchen?“ Cerim konnte sich nicht zurückhalten. Eine Strähne hatte sich aus Adrians Zopf gelöst und wie fremdgesteuert strich er sie hinter sein Ohr. Ein lautes Klopfen an der offenen Tür der Bibliothek ließ beide aufschrecken. Piper, das junge Zimmermädchen, trat mit einem Knicks ein und übergab Cerim das frische Verbandszeug sowie eine Schere.

„Mein Herr, ich kann das gern übernehmen“, sagte Piper und sah mit gesenktem Kopf zwischen dem jungen Lord Callus und dem Duke hin und her.

„Ich bin geübter darin. Das wäre dann alles. Setz dich Adrian.“

Das Mädchen zögerte einen Moment, doch verließ mit roten Wangen und wortlos die Bibliothek. Selbst von seiner harschen Art irritiert legte Cerim schweigend die Sachen auf dem Beistelltisch ab und wies Adrian an, sich auf den Sessel zu setzen. Er kniete vor ihm nieder, öffnete mit der Schere den blutigen Verband und besah sich die Wunde. Er tupfte vorsichtig das Blut ab und schüttelte den Kopf, als er die kleine Hand in seiner musterte.

Wieso ist er so zierlich?

„Stimmt etwas nicht?“, fragte Adrian besorgt, als Cerim gedankenverloren auf die Naht blickte.

„Du solltest mehr essen! Du bestehst nur aus Haut und Knochen. Wie soll da nur ein Mann aus dir werden?“, antwortete Cerim scharf. In seinem Inneren herrschte Chaos und er ließ es an Adrian aus. Er verwirrte ihn so sehr, dass selbst eine Kleinigkeit wie ein Verbandswechsel zur Tortur wurde. Seine kleinen Hände und die schmalen, langen Finger sowie die dünnen Handgelenke irritierten ihn zutiefst und führten dazu, dass er wieder seine Fingerspitzen darüber gleiten ließ.

„Ich wollte Euch nicht zur Last fallen, mein Lord. Ich kann auch Piper rufen!“, sagte Adrian mit hochrotem Kopf.

Als Cerim den neuen Verband fertig angelegt hatte, blickte er ihm in die violett funkelnden Augen, die ihn weit aufgerissen anstarrten.

Er stand auf, völlig unfähig, die Hand von seiner zu lösen, als das Dienstmädchen wieder ins Zimmer gerannt kam.

„Mein Lord, Lord Cassian verlangt augenblicklich nach Euch! Ein Bote aus der Hauptstadt ist angekommen!“, brachte sie völlig aufgelöst hervor.

Adrian verbeugte sich schnell vor ihm. „Verzeiht, mein Lord. Und danke! Für Eure Mühe!“ Mit schnellen Schritten verließ er die Bibliothek.

Verwirrt sah Cerim hinterher und rang mit sich, ihm wie ein Hund nachzulaufen.

 

Cassian hielt den Brief des Boten in seinen zittrigen Händen. Es war so weit! Sein Vater tat seine letzten Atemzüge. Sir Ivan, ein Ritter aus seinem Haus, wartete darauf, seine Befehle entgegenzunehmen. Als er Ethera verlassen hatte, wirkte sein Vater noch kräftig genug, um die Reise nach Amréne zu rechtfertigen. Er wollte unbedingt Adrian die Möglichkeit geben, seinen Vater lebend zu sehen.

„Wir brechen heute Nachmittag auf. Ruh dich aus, Ivan. Und … danke!“

„Ja, mein Herr“, sagte Sir Ivan und schenkte ihm ein trauriges Lächeln.

Cassians Blick ging leer zum Fenster hinaus, als es kurz an der Tür klopfte und Adrian mit roten Wangen hereintrat.

„Bruder?“

„Ari, wir müssen aufbrechen. Vater verlangt nach uns und der Arzt gibt ihm keine Woche mehr. Pack das Nötigste ein, alles andere können wir in Ethera für dich besorgen. Ich spreche mit Prinz Nicolas und Moreno, sie werden uns begleiten wollen.“

„Glaubst du, … wir schaffen es rechtzeitig dahin? Mit der Kutsche sind es fünf Tage nach Ethera!“

„Wir nehmen von Kingston aus den Zug. So sind wir in drei Tagen dort. Ich bete, dass wir es rechtzeitig zu Vater schaffen. Ich hatte gehofft, dass wir mehr Zeit hätten …, dass du noch mehr Zeit mit Vater hättest. Es tut mir leid, Ariane.“

Arianes Augen füllten sich mit Tränen und sie sah ihn mit geöffnetem Mund an. Cassians Herz brach beim Anblick seiner kleinen Schwester.

 

Er hat mich das erste Mal Ariane genannt!

Vater …

 

Die nächste Folge erscheint am 22.05.2022




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