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Pink Diamond Princess - Forced To Lie: Folge 1

Aktualisiert: 18. Apr.


 

Teil 1 – Der Frieden von Amréne

„Lord Adrian, Ihr Bruder kommt! In großer Gesellschaft! Es sind einige Reiter und Kutschen zum Anwesen unterwegs.“

Ein junger Minenarbeiter kam aufgeregt mit den Neuigkeiten auf Ariane zu, die sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn wegwischte. Erschrocken sah sie zu Master Theodor, der mit ihr und einigen Arbeitern das große Wasserrad in der Kirche im Herzen der Mine installierte.

„Geht, Lord Adrian! Wir kennen Eure Entwürfe auswendig, wir bekommen die Installation auch ohne Ihre Hilfe hin. Sie sollten Lord Calus und seine Gäste angemessen empfangen“, sagte Master Theodor mit Blick auf ihre verschmutze Kleidung und ihr zerzaustes Haar. Ariane wusste, dass Master Theodor nicht den Schmutz auf ihrer Kleidung bemängelte. Lord Calus wusste nichts von der wahren Identität seines kleinen Bruders Adrian. Für ihn war er nichts weiter als der Bastardsohn seines Vaters, den er über die Jahre liebgewonnen hatte. Und um nichts in der Welt wollte Ariane die Liebe ihres Bruders verlieren, auch wenn es bedeutete, ihm weiter vorzumachen, dass sie ein Mann war.


 

Ein lauter Pfiff tönte durch den Wald und Ariane wartete auf Horizon, ihren weißen Hengst, den sie vor zwei Jahren von ihrem Bruder zum 16. Geburtstag erhalten hatte. Cassian übernahm damals die Geschäfte ihres Vaters, nachdem er seine Ausbildung in der königlichen Militärakademie als Offizier abgeschlossen hatte. Mit dem Hengst machte er seinem kleinen Bruder das erste Geschenk, das dieser bisher je erhalten hatte. Horizon schenkte ihr Freiheit. Auf seinem Rücken war sie einfach Ariane und sie musste sich nicht vor der Welt verstellen.

Der Hengst sprintete auf sie zu und blieb nur knapp vor ihr stehen. Sie strich durch seine Mähne und lachte auf, als er an ihrem zerzausten Haar schnupperte und sie anstupste. Horizon war ein temperamentvolles Pferd und duldete kaum von Menschen berührt zu werden. Aber Ariane liebte er . Vom ersten Moment ihrer Begegnung war er ruhig und ließ sich von ihr striegeln, streicheln und mit den Zügeln auf dem Hof führen. Sie nahm Anlauf und stieß sich ab, um sich auf dem baren Rücken ihres Pferdes hochzuziehen. Sie sattelte ihn selten und wenn nur für lange Ausritte in die Berge. Der Sattel war für Horizon wie die lederne Unterwäsche für sie, die die weiblichen Rundungen unter ihrem Hemd verbarg – wie ein Gefängnis.

Sobald Ariane sicher saß, spurtete das Pferd los und raste den Berghang hinunter zu den freien Feldern.

„Nach Hause, Horizon. So schnell, wie du kannst!“, rief sie dem Hengst zu, der daraufhin laut wieherte und schneller rannte. Ariane schmiegte sich fest an den Rücken des Tieres, als der Wind ihre Haare öffnete. Die dunklen, langen Locken wirbelten entfesselt im Wind. Üblicherweise waren sie, wie bei einem Aristokraten, in einem festen Zopf am Nacken gebunden. Ariane lenkte den Hengst mit den Zügeln querfeldein über ein Weizenfeld und schnitt die Straße, die direkt zum Anwesen in den Bergen von Amréne führte. Sie sah die Kutschen in einiger Entfernung und wunderte sich über die vielen Reiter, die diese auf ihrem Weg geleiteten. Ein dunkler Schatten fiel ihr ins Auge und sie sah zurück. Ein Reiter aus dem Gefolge der Kutschen folgte ihr mit mörderischem Tempo in den Wald. Es wäre fatal, wenn der Reiter erkennen würde, dass sie eine Frau war. Lady Katherine erschien ihr sehr deutlich mit ihrer Warnung in Erinnerung. Niemand durfte von Ariane wissen, sonst würde sie das gleiche entsetzliche Ende finden wie ihre Mutter. Ariane war zierlich und schmal, ihr Gesicht weich und ihre Züge anmutig und schön. Ihr Haar unterstrichen die Schönheit der ungewöhnlichen, hellblauen Augen mit dem Schimmer eines Amethysten, die sie von jedem hier in Amréne unterschied. Die Bewohner hier hatten einen dunklen Teint, sonnengeküsst und besaßen meist dunkle Augen. Ariane fiel bereits durch ihre porzellanartige Haut und Blässe auf. Die Farbe ihrer Augen und ihr schwarzes Haar unterstrich ihre puppenhafte Erscheinung um ein Vielfaches.

„Schneller, Horizon! Schneller!“, rief sie verzweifelt, als der Reiter immer näher kam. Er trug eine dunkle Uniform und sein Umhang rauschte im peitschenden Wind. Ariane drehte sich um, als der Reiter dichter an sie herankam und sie sein Gesicht genauer betrachten konnte. Er trug am Revers eine Brosche mit einem großen, hellblauen Saphir, der seiner Augenfarbe glich. Sein schwarzes Haar wehte im Wind, unterstrich seinen stechenden und harten Blick.

„Horizon, verstecken!“, befehligte sie ihrem Hengst, was er umgehend befolgte. Er bog in den dichten Wald, tänzelte gekonnt durch die dicken Baumstämme im schnellen Tempo. Ariane wusste, dass ihr Hengst sie sicher durch den Wald führen würde. Sie betete, dass es ihren Verfolger aufhalten würde, ihr hinterherzujagen.


 

Hatte er geträumt? Wie eine Erscheinung war die junge Frau ohne Sattel querfeldein im rasanten Tempo an ihm vorbeigeritten. Seinen schwarzen Hengst Tallon provozierte die Raserei des anderen Pferdes dazu, ebenfalls in den Vollsprint zu steigen und Cerim hatte Mühe, seinen Vollbluthengst zur Räson zu bringen. Der junge Duke spornte sein Pferd weiter an und konnte Stück für Stück an die Reiterin anschließen, als sie in den Wald abbog. Er traute seinen Augen nicht! In einem waghalsigen Manöver spornte die Frau ihren Hengst durch den Wald und führte ihn gekonnt durch das Dickicht, bis sie darin verschwand.

Verdammt!

Er wusste nicht, warum es ihn so sehr ärgerte, dass er nicht einen Blick näher auf sie erhaschen konnte. Er lachte auf, verwundert über seine eigene Neugier und den daraus resultierenden Frust und zügelte Tallon. Der Hengst trabte auf der Stelle und wieherte.

„Ich weiß. Ich will auch wissen, wer das war. Komm, Tallon, zurück.“


 


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